Rede zur Hauptversammlung 2009
Dr. Willibald Späth, Vorsitzender des Vorstandes
Frankfurt am Main, 18. Juni 2009 (es gilt das gesprochene Wort)
Guten Morgen meine Damen und Herren,
sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,
sehr geehrte Gäste,
herzlich willkommen zu unserer Hauptversammlung. Wir freuen uns über Ihr Interesse und danken Ihnen wie auch dem Aufsichtsrat sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unseres Unternehmens und unserer Beteiligungen.
Auch dieses Jahr werde ich Ihnen wie gewohnt Rechenschaft ablegen über die Entwicklung Ihres Unternehmens und Ihnen schildern, was uns im vergangenen Jahr bewegt hat, was wir bewegt haben und was uns die kommenden Monate beschäftigen wird. Für die euromicron war das Jahr 2008 insgesamt ein erfolgreiches, aber auch kein einfaches Jahr. Unsere Geschäftszahlen zeigen, dass uns die düsteren Moll-Töne, die derzeit die Öffentlichkeit beherrschen, noch nicht erreicht haben. Um es auf den Punkt zu bringen: 2008 war das erfolgreichste Jahr in der Geschichte der euromicron AG, wir sind jetzt ein integriertes Netzwerkunternehmen.
Kurz zusammengefasst bedeutet dies:
- unsere Umsätze sind um 21 Prozent auf rund 165 Millionen Euro gewachsen;
- unser Ergebnis vor Zinsen und Steuern haben wir um 33 Prozent auf 16 Millionen gesteigert;
- wir haben den Weg zum klar strukturierten Technologiekonzern abgeschlossen;
- das Ergebnis pro Aktie stieg um rund 16% auf 1,78 Euro;
- das EBITDA entwickelte sich von 15,2 Millionen auf 18,8 Millionen Euro;
- wir haben den Weg von der Industrieholding zur operativen Führungsgesellschaft bewältigt
- wir haben nach der Buy and Build-Phase die Integration unseres Konzerns erfolgreich vorangetrieben.
Die letzten Jahre haben gezeigt wie wichtig es ist, diszipliniert den 2001 eingeschlagenen Weg zu gehen und nicht, wie vereinzelt immer wieder gewünscht, kurzfristigen Kapitalmarktwünschen nachzugeben.
Lassen Sie uns deshalb reflektieren, wo unser Konzern heute steht, bevor ich Ihnen erläutern werde, wo wir die euromicron AG in den kommenden Jahren hinsteuern wollen – was also sagen unsere Geschäftszahlen des Jahres 2008 aus:
Die Bilanzsumme des euromicron-Konzerns ist im vergangenen Jahr um 16 Prozent auf knapp 172 Millionen Euro gestiegen; dieser Anstieg resultiert im Wesentlichen aus den Zugängen im Konsolidierungskreis. Das Eigenkapital ist absolut von 70 auf 74 Millionen Euro gestiegen, unsere Eigenkapitalquote zum Jahresende allerdings ist von 48 auf 43 Prozent gesunken. Dieser zwischenzeitliche Rückgang der Eigenkapitalquote erklärt sich aus der deutlich gestiegenen Bilanzsumme infolge der Zukäufe. In der Regel steigt die Eigenkapitalquote in den Monaten nach der Bilanzerstellung wieder, so auch dieses Jahr. Begründet ist dies durch den saisonalen Charakter unseres Geschäftes. Durch den guten Periodenüberschuss in den ersten 5 Monaten 2009 beträgt die Eigenkapitalquote derzeit vor Dividendenzahlung rund 47 Prozent.
Unsere Umsätze sind im vergangenen Jahr um 21 Prozent auf rund 165 Millionen Euro gestiegen. Der Umsatzanteil der in 2008 akquirierten Unternehmen beträgt dabei etwa 6 Prozent, so dass wir auf ein organisches Wachstum von 16 Prozent im vergangenen Jahr zurückblicken. Dabei haben alle unsere Segmente zugelegt: Die Umsätze mit der Herstellung von Komponenten und Konfektionierung stiegen um 7,3 Prozent, das Projekt- und Systemgeschäft legte um 25 Prozent zu, und das Geschäftsfeld Distribution und Dienstleistungen verbuchte ein Plus von 56,8 Prozent. Unsere ausländischen Beteiligungen steuerten 18,6 Prozent der Umsätze bei.
Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern haben wir insgesamt um 33 Prozent auf 16 Millionen gesteigert, unsere EBIT-Marge ist dementsprechend von 8,8 auf 9,7 Prozent gestiegen. Diesen Ergebnissprung verdanken wir vor allem umfangreichen Prozessoptimierungen, welche die Produktivität unserer Organisation deutlich gesteigert haben. Der Jahresüberschuss des Konzerns ist von 7 auf 8,1 Millionen Euro gestiegen, das Ergebnis je Aktie von 1,53 Cents auf 1,78 Euro.
Auch die Kennzahlen unserer Segmente zeigen die gute Entwicklung des vergangenen Jahres: Unsere beiden Segmente, die euromicron Nord und die euromicron Süd, haben ihren Umsatz um 30 respektive 15 Prozent gesteigert. Die euromicron Nord steigerte ihr Ergebnis vor Zinsen und Steuern um rund 60 Prozent. Die euromicron Süd allerdings musste Einbußen bei Umsatz und Ergebnis hinnehmen. Der Grund dafür war die kritische Entwicklung auf dem österreichischen Mobilfunkmarkt, über die wir während des Jahres laufend berichtet haben. Lässt man das Kapitel Österreich außen vor, so haben die übrigen Gesellschaften des Südverbundes ihren Umsatz um 5 Prozent und ihr EBIT um rund 20 Prozent gesteigert.
Meine Damen und Herren, die Zahlen sprechen für sich – unser Unternehmen hat bisher unbeschadet und unbeeindruckt von allen Stürmen und Widrigkeiten Kurs gehalten – das ist auch die Herausforderung für das Jahr 2009. Die ersten Zahlen für das aktuelle Jahr lassen Optimismus zu. Der Auftragsbestand zum 31. Dezember lag mit 70,4 Millionen Euro nochmals leicht über dem Vorjahreswert und steigerte sich im ersten Quartal auf 80 Millionen Euro. Zugrunde lag im Januar der höchste Auftragseingang in der Konzerngeschichte. Ein wesentlicher Teil des für 2009 geplanten Umsatzes ist damit bereits vertraglich fixiert. Wir konnten also 2008 eine gute Grundlage schaffen und das Geschäft weiter verbessern.
Trotz dieser Erfolge und der guten Entwicklung 2009 wollen wir vorsichtig bleiben, meine Damen und Herren, wir werden nicht den Fehler begehen, in den schwankenden Zeiten die euromicron nicht auf ein niedrigeres Geschäftsvolumen vorzubereiten. Aus diesem Grund haben wir ein Einsparprogramm aufgelegt – Sparen als Vorsorgemaßnahme. Wir werden unseren Materialverbrauch reduzieren und die Materialquote um ein bis drei Prozentpunkte senken. Weitere zehn Prozent wollen wir am Personalaufwand sparen, die sonstigen Ausgaben werden wir um rund 15 Prozent verringern. In der Summe sollen diese Maßnahmen uns durch Steigerung der Effizienz für 2009 eine Ergebnisreserve von rund 5 Millionen Euro verschaffen, die wir wieder in die laufende Geschäftsentwicklung wie Vermarktung und neue Produkte investieren, wenn sie nicht zur Ergebnisabsicherung benötigt werden.
An diesen Einsparungen arbeiten wir mit viel Weitsicht und Engagement, legen verstärkt Wert auf Innovationen und re-investieren insbesondere in die Weiterentwicklung unserer wertvollsten Ressource, unsere Mitarbeiter. In den vergangenen Jahren mussten wir – bedingt durch unsere Strategie des Buy and Build – viele Menschen aus unterschiedlichen Unternehmen und Unternehmenskulturen zusammenbringen; alleine im vergangenen Jahr haben wir 100 neue Mitarbeiter aufgenommen. Um diese Vielfalt an Menschen und Fachwissen in unseren Konzern zu integrieren und ihnen neue Perspektiven zu eröffnen, haben wir im vergangenen Jahr Nachwuchsprogramme und Trainingsmaßnahmen für Führungs- und Führungsnachwuchskräfte durchgeführt. Zudem haben wir unsere Mitarbeiter über Grundlagenseminare und interne Qualifizierungsmaßnahmen fachlich und arbeitsmethodisch geschult, gefördert und ihnen Perspektiven zur Weiterentwicklung gegeben. Wir tun dies, weil wir wissen, dass unsere Mitarbeiter ein wesentlicher Bestandteil unseres Erfolges sind. Ich danke Ihnen allen noch einmal ausdrücklich.
Die zweite wichtige Ressource, auf die wir permanent achten, ist selbstverständlich unser Kapital, Ihr Geld, meine Damen und Herren. Hier sind wir leider nicht immer in der Rolle des Drivers – trotz eines hervorragenden Geschäftsjahres hat unsere Aktie unter dem allgemeinen Markttrend gelitten: In einem Jahr, in dem mehr oder weniger sämtliche Aktienmärkte weltweit fast die Hälfte ihrer Marktkapitalisierung einbüßen, haben die Marktteilnehmer wenig Unterschiede zwischen guten und schwachen Unternehmen gemacht und durch die Bank überwiegend verkauft – dieser Entwicklung konnte sich auch unsere Aktie nicht entziehen, wie das Chart deutlich macht.
Der aktuelle Kursverlauf allerdings stimmt uns durchaus optimistisch: Seit Jahresbeginn hat sich unsere Aktie vom allgemeinen Markttrend abgekoppelt und gut entwickelt und steht auf über 14 Euro. Sobald die Märkte wieder in ruhigeres Fahrwasser kommen, werden die Anleger wieder auf die Qualität und Chancen eines Unternehmens achten und die Qualität unserer Aktie erkennen. Allein die Tatsache, dass wir das Ergebnis je Aktie von 1,53 auf 1,78 Euro gesteigert haben, zeigt, dass wir auch in schwierigen Zeiten Kurs halten; und die Dividendenrendite von rund 9 Prozent auf der Basis des Jahresendkurses von gemittelt 9 Euro spricht ebenfalls für unsere Aktie. Wir können heute über eine sehr ordentliche Dividende abstimmen, die in die Liquiditätsplanung des Unternehmens passt.
Das sehen auch viele Banken und Analysten so. Für unsere Aktie gibt es unter anderem Kaufempfehlungen von der Commerzbank, von der BHF-Bank, vom Bankhaus Lampe und weiteren unabhängigen Analysehäusern. Wir freuen uns über dieses Vertrauen. Als Vorstand der euromicron AG sehe ich dies genauso und habe 2008 nochmals 4000 Stück unserer Aktie erworben. Ihre Anwesenheit heute werte ich ebenfalls als Beleg für Ihr Vertrauen in die euromicron-Aktie und damit in unser Unternehmen. Vielen Dank.
Meine Damen und Herren, Vertrauen ist in diesen Tagen zu einem knappen Gut, einer wertvollen Ressource geworden, also lassen Sie mich Ihnen nun erläutern, was wir in den kommenden Monaten und Jahren tun werden, um diese knappe Ressource zu würdigen, um Ihr Vertrauen zu rechtfertigen und zu bestärken. Lassen Sie uns über unsere strategische Entwicklung und über den Weg sprechen, der vor uns liegt.
Jeder lange Weg, meine Damen und Herren, beginnt mit einem ersten Schritt, und den ersten Schritt zur Neuausrichtung dieses Unternehmens haben wir gemeinsam vor nunmehr 8 Jahren gestartet, als wir die damalige Industrieholding euromicron strategisch neu aufgestellt haben.
Es war ein langer Weg, oft steinig, oft beschwerlich, doch mit Ende des Jahres 2008 können wir sagen: Wir haben den Weg zum klar strukturierten Technologiekonzern bewältigt und die erste Stufe der Unternehmensentwicklung, die Buy and Build-Phase abgeschlossen. Inzwischen stecken wir bereits mitten drin in der Build and Integration-Arbeit.
Was haben wir erreicht in der Buy and Build Phase?
- wir sind der Glasfaserspezialist Deutschlands
- wir sind der Partner für Fragen der Netzinfrastruktur
- wir sind flächendeckend in ganz Deutschland präsent und europaweit tätig
- wir beherrschen alle gängigen Netzwerktechnologien
- wir können unseren Kunden jeden Service rund um sein Netzwerk anbieten
- wir sind anerkannter Partner von Großkonzernen und von mittelständischen Unternehmen
- wir sind einer der größten und wichtigsten Anbieter in unseren Märkten
- wir haben unsere Kapitalkraft mit 47 Prozent Eigenkapital erhalten
Im vergangenen Jahr haben wir noch einige kleinere Akquisitionen getätigt, um unsere Angebotspalette abzurunden: Mit dem Erwerb von 80 Prozent der NetWays Netzwerk Consulting GmbH haben wir unser Know how im aktiven Netzwerkgeschäft ausgebaut und gleichzeitig eine Angebotslücke in Süddeutschland geschlossen. Mit dem Erwerb der Assets der NEEF IT Solutions wurde der Zutritt zu einem interessanten Großkunden und zu weiterem Wartungs- und Servicegeschäft eröffnet. Der Kauf der agu Datentechnik hat unsere Kompetenz in der Veredelung und der Distribution passiver Glasfaserkomponenten verstärkt. Und schließlich haben wir die Gelegenheit genutzt, um auch im Ausland durch den Zukauf der Qubix zu wachsen.
Unter dem Strich meine Damen und Herren können wir sagen, dass wir die wesentlichen Ziele der 1. Stufe unserer Strategie erreicht haben, einer Entwicklungsphase, die wir Buy and Build genannt hatten. Durch gezielte Akquisitionen, so unser Strategieversprechen 2001, wollten wir uns Technik, Marktzugang und Marktvolumen beschaffen – und das haben wir erreicht.
Das Ergebnis ist, dass wir seit 2006 jedes Netzwerk mit jeder Technologie bauen können: Von der Komponentenfertigung bis zur Planung und Umsetzung, auf Kupferbasis, drahtlos oder mit Glasfaser – was immer unser Kunde wünscht, wir können es liefern. Wir beherrschen die Produkte aller Hersteller, können dem Kunden in jedes System jede Komponente einbauen und finalisieren schließlich die Systemtechnik.
Die aktuellen Akquisitionen dienen nunmehr dazu, unsere Expertise abzurunden und unsere Fähigkeiten zu steigern, aber im Großen und Ganzen können wir sagen, dass wir den Teil Buy and Build unserer Strategie abgeschlossen haben.
Das Ende von Buy and Build zeigt sich auch in unseren Zahlen: Im Jahr 2008 kamen nicht mehr 50 Prozent unseres Wachstums aus Akquisitionen wie 2007, sondern von den 22 Prozent Gesamtwachstum kamen 6 Prozent aus Zukäufen, 16 Prozent unseres Umsatzzuwachses stammen aus operativem Wachstum.
Lassen Sie uns im Rahmen unserer Strategie noch über unsere Auslandspläne sprechen: National sind wir ein anerkannter und bedeutender Marktteilnehmer, aber wie steht es mit der internationalen Präsenz unseres Konzerns? In den vergangenen Jahren haben wir langsam und vorsichtig damit begonnen, unsere Strategie auf eine internationale Ebene zu heben. Verschiedene Zukäufe im Ausland ermöglichen uns nun den Zugang zu internationalen Märkten.
Mit dem Kauf der Qubix S.p.A. haben wir im vergangenen Jahr einen ersten Schritt zur Erschließung des italienischen und osteuropäischen Marktes getan. Qubix ist neben Italien auch in Osteuropa bereits ein etablierter Anbieter von Netzwerklösungen. Beobachtet man den Trend der Telekommunikationsindustrie, sich als neue Märkte Süd-, Ost- und Südosteuropa zu erschließen, so betrachten wir das Qubix-Investment auch als einen weiteren Schritt gen Osten und Südosten.
Der Weg ins Ausland ist dabei mindestens so risikobehaftet und ebenso beschwerlich wie der Ausbau unseres Geschäftes im Inland – das ist uns wohl bewusst und das haben wir im vergangenen Jahr deutlich gespürt. Unsere Investition in Österreich, die wir im Jahr 2007 getätigt haben, hat sich leider nicht so entwickelt, wie wir es uns vorgestellt hatten. Der Erwerb der Cteam GmbH in Österreich, heute euromicron austria, war im Jahr 2007 unsere bis dahin größte Akquisition im Ausland und sollte zum Competence Center Mobilfunk werden. euromicron austria war und ist im österreichischen Mobilfunkmarkt eine etablierte und renommierte Adresse. Zu ihren Kunden gehören alle namhaften österreichischen Mobilfunkbetreiber. Und dennoch oder gerade deshalb war der Zusammenbruch des Marktes und die derzeit laufende Neusortierung ein schmerzhafter Prozess für uns.
Die Umsätze der Gesellschaft waren 2008 dementsprechend gering und resultierten überwiegend aus dem guten Auftragsbestand des Jahres 2007. Doch dieser Investitionsstau wird sich auflösen, denn eine Konsolidierung beinhaltet auch den Ausbau und die Modernisierung von Mobilfunkstandorten, was wiederum mehr Aufträge für uns bedeutet.
Seit einem halben Jahr sind wir darüber hinaus mit allen unseren Lösungsansätzen und Produkten im österreichischen Markt unterwegs und sehen gute Chancen von dieser Konsolidierung zu profitieren. Erste Anzeichen dafür sehen wir bereits: Der Ausblick für 2009 hat sich deutlich verbessert, die Auftragseingänge belaufen sich im 1. Quartal auf rund 2 Millionen Euro; unser Umsatzziel von 10 bis 15 Millionen ist und bleibt dennoch anspruchsvoll und erfordert zur Realisierung auch erste Erfolge im Nichtmobilfunkgeschäft.
Das vergangene Geschäftsjahr in Österreich war also ein Wermutstropfen für unsere Bilanz, aber keine Gefahr für unseren Konzern. Und ganz umsonst war unser Engagement dort nicht: Die Erfahrungen und Mobilfunk-Kompetenzen, die wir in Österreich erworben haben, haben uns geholfen, Aufträge vom amerikanischen Rundfunk AFN und den amerikanischen Behörden in Deutschland und Portugal zu gewinnen. Wir bauen nun Funkstationen in Deutschland, Italien und auf den Azoren. Wir haben also nicht nur den Markteintritt in Österreich realisiert, sondern Kompetenzen erworben, die es uns ermöglichen, zusätzliche Kunden und Märkte zu überzeugen, unser gesamtes Leistungsportfolio in Österreich anzubieten und letztlich den Weg Richtung Osten zu erschließen. Das zeigt, dass unsere Strategie richtig ist.
Meine Damen und Herren, mit dem Abschluss der Buy and Build-Strategie ist es Zeit, den Blick nach vorne zu richten und über den nächsten Meilenstein unserer Unternehmensentwicklung zu sprechen: Lassen Sie uns dem Leitmotiv der Jahre 2009 und 2010 zuwenden: Build and Integration
Bereits im vergangenen Jahr hatten wir berichtet, dass die Integration von zunächst oft völlig unterschiedlichen Unternehmen und Unternehmenskulturen Zeit und Mühen braucht, - eine Phase des organischen Zusammenwachsens.
Diese Phase haben wir eingeleitet, eine Phase, die wir mit Build and Integration bezeichnen. In den kommenden Monaten wird es darum gehen, nach rund 10 Verschmelzungen den Gesamtkonzern zu integrieren, die vielen Möglichkeiten zu heben und zu fördern, die diesen Verbund effektiver und effizienter machen. Wir werden im Zuge dieser Phase weitere Unternehmenseinheiten zusammenlegen. So wurde nach den großen Verschmelzungen der Systemhäuser die rako electronic data technology GmbH mit der LWL Sachsenkabel GmbH zusammengelegt, um unsere Komponentenfertigung und Konfektionierung noch schlagkräftiger zu machen.
Weiterhin haben wir die euromicron international services GmbH gegründet, die strategische und geschäftsfeldübergreifende Steuerungsaufgaben übernimmt, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Diese Gesellschaft verwaltet Grundstücke und Gebäude, kümmert sich um spezielle Finanzierungsmodelle im Ausland, verwaltet gruppenübergreifende Personalabstellungen, nimmt zentrale Einkaufsaufgaben wahr und managet spezifische Beteiligungen – ein organisatorischer Meilenstein auf dem Weg zu einem integrierten Gesamtkonzern.
In den vergangenen Jahren haben wir stets rasch und entschlossen auf gute Möglichkeiten zum Ausbau unseres Konzerns reagiert. Hierfür haben wir mit unseren Partnerbanken Liquiditätsrahmen vereinbart und eine höhere Verschuldung in unserer Bilanz in Kauf genommen. Das war der Preis für die Flexibilität, rasch auf Veränderungen des Marktes zu reagieren und schnell zu wachsen. Es ist gut gelungen. Mein Dank gilt deshalb unseren Banken, die uns stets konstruktiv, fair und professionell begleitet haben. Jetzt, in der Phase der Integration und Konsolidierung, werden wir die kurzfristige Finanzierung aus der Buy and Build-Phase schrittweise in eine strukturisierte laufende Wachstums-finanzierung überführen, unsere Bilanzrelationen optimieren und unser Rating als Investmentgrade-Unternehmen stabilisieren.
Ich hoffe und wünsche mir, dass wir auch in den kommenden Jahren einen guten, fairen und konstruktiven Dialog mit unseren Kreditgebern führen, dass sie das Wachstum unseres Unternehmens auch in der Build and Integration-Phase mit einer ausgewogenen Finanzierung unterstützen, und dass Sie weiterhin einem guten Unternehmen mit guten Konditionen zur Seite stehen werden.
Meine Damen und Herren, wie Sie sehen, wollen wir auch in Zukunft die Interessen unserer Kreditgeber ebenso berücksichtigen wie die unserer Aktionäre und des Unternehmens. Es gilt also die Balance zu wahren. Auch für dieses Jahr haben wir beschlossen, diese Interessen sorgfältig zu gewichten und unsere Dividendenpolitik trotz schwierigem Marktumfeld beizubehalten: die Hälfte unseres Jahresüberschusses werden wir zur Rückführung unserer Kreditlinien und zum Ausbau des Konzerns nutzen, die andere Hälfte wollen wir an Sie in Form der Dividende ausschütten. Auch aufgrund der guten aktuellen Geschäftsentwicklung schlagen Vorstand und Aufsichtsrat der euromicron AG der Hauptversammlung vor, eine Dividende von 80 Cents je Stückaktie für das Geschäftsjahr 2008 auszuschütten. Damit wollen wir Ihr Engagement als Aktionär unseres Unternehmens würdigen und Sie angemessen an der guten Entwicklung unseres Unternehmens beteiligen.
Meine Damen und Herren, damit wir auch in den kommenden Jahren gute Dividenden an Sie zahlen können, wird es auf Dauer nicht reichen, einen Konzern zu bauen und zu konsolidieren, nein, für eine gute Dividende müssen wir diesen Konzern beständig weiter entwickeln. Aus diesem Grund werden wir uns laufend fragen müssen, was wir an unserem Konzern, an unseren Produkten, unseren Dienstleistungen verändern oder verbessern müssen. Der Prozess einer kontinuierlichen Verbesserung unseres Unternehmens wird uns die kommenden Jahre ein treuer und vertrauter Begleiter sein, ja sein müssen.
Diese Idee einer kontinuierlichen Überprüfung und Verbesserung des gesamten Konzernverbundes ist Bestandteil unserer Strategie und schließt auch Produkte oder Dienstleistungen mit ein. Es gilt also, Fragen zu stellen, die in einem gut laufenden Unternehmen auf den ersten Blick überraschend und unbequem wirken: Gibt es in 20 Jahren noch Telefone? Wenn ja, wie sind sie vernetzt? Werden Bildschirme das allumfassende Kommunikationsmedium der Zukunft sein? Werden wir noch Rechner im herkömmlichen Sinne haben? Wenn nein, was wird an ihrer Stelle auf unserem Schreibtisch stehen? Ist der Health Care Markt und die elektronische Betreuungstechnik der künftige Kommunikationsmarkt? Was sind die zukünftigen Ertragsbringer unseres Konzerns?
Mit diesen Fragen möchte ich Ihren, unseren Blick nach vorne richten und mit Ihnen zum Abschluss meiner Rede einen strategischen Ausblick auf die kommenden Jahre wagen – einen Ausblick auf die nächste Phase unserer Unternehmensentwicklung, die dann unter dem Motto Build and Buy stehen wird. Unser Verständnis ist, Technik muß dem Menschen dienen, wir wollen daher mit unserem technischen Know how Lösungen anbieten, die helfen. Hierzu setzen wir auch Lizenzen, Patente, Akquisitionen und Partnerschaften ein, die alle Bestandteil einer Build-Strategie sind. So wollen wir künftig, nachdem wir hierfür geeignete Lizenzen erworben haben, im Gesundheits- und Pflegebereich, wie auch in der Altenbetreuung den Marktveränderungen gerecht werden und den Kunden eine angemessene Lösung bieten. Zu einer zukunftsgerichteten Unternehmensentwicklung gehören immer wieder auch intelligente Zukäufe, um schnell Marktveränderungen aufzugreifen und den Kunden ihre Fragestellungen zu lösen.
In dieser Phase werden wir unser Leistungsportfolio wie auch unsere Organisation beständig auf den Prüfstand stellen und uns fragen, ob und wenn ja, wo wir unseren Konzern aus- oder auch umbauen müssen, um Veränderungen im Markt rasch zu erkennen und sie erfolgreich zu bewältigen. Wir werden bei Bedarf weitere Hersteller ebenso wie weitere Produkte in unser Leistungsportfolio aufnehmen, wir werden uns fragen, ob die Techniken der Zukunft in unserem Konzern repräsentiert sind, wir werden fragen, welche Technologien veralten und ob wir uns von ihnen verabschieden müssen, ebenso wie wir fragen werden, wo sich neue Geschäftsfelder auftun, die sich aus den Bedürfnissen und Problemen der Kunden heraus entwickeln und die wir bedienen müssen, um weiter erfolgreich zu bleiben.
Wo es geht, werden wir das dazu nötige Wachstum aus eigenen Kräften generieren und unseren Konzern aus sich selbst heraus weiter entwickeln, wir werden aber wo nötig auch entsprechende Zukäufe tätigen – Build and Buy eben. Wir werden uns dabei streng an die Maxime halten, die unsere erfolgreiche Expansionspolitik seit 2000 geprägt hat: Wachstum ist für uns nur bedeutend, als es uns zusätzliche Technik, Volumen und Marktzugang verschafft.
Aus unserer eigenen Herstellerwelt kommt der Zugang zum boomenden Breitbandmarkt, der nur mit hochwertigen Glasfaserkomponenten bedient werden kann, wie wir sie entwickeln und herstellen. Unter dem Namen „Fibre to the X“ summiert man Glasfaseranschlüsse für alle Hochgeschwindigkeitsanwendungen, für die wir Komponenten liefern und Systemdienstleistungen erbringen.
Unter dem Aspekt des Wachstums sehen wir in den kommenden Jahren Bedarf für eine größere Präsenz unseres Konzerns, vor allem im internationalen Geschäft.
Die aktuelle wirtschaftliche Situation könnte uns unabhängig von Build and Integration Chancen für Übernahmen oder Mergers bieten, die es bisher nicht gab und die uns diesem Ziel schlagartig näher bringen könnten.
Eine vielversprechende Antwort könnte auch lauten, aus unseren aktuellen Geschäftsfeldern neue Geschäftsfelder zu entwickeln, auszubauen und sie durch intelligente Zukäufe zu ergänzen.
Diesen Weg, sich mit den eigenen Möglichkeiten auf die Märkte von Morgen einzustellen, haben wir vorbereitet. Unsere Competence Center, die wir im vergangenen Jahr etabliert haben, werden dazu einen Lösungsbeitrag leisten. Sie sollen für unsere Kunden übergreifend spezielle und individuelle Lösungen erarbeiten. Sie fassen alle Dienstleistungen eines Bereiches zusammen, bieten sie flächendeckend an und könnten somit die Brutstätte für zukünftige Geschäftsfelder sein. Diese Competence Center werden mehr und mehr zum organisatorischen Rückgrat unseres Unternehmens, hier bündeln sich die Kompetenzen. Vielleicht werden sich neue Geschäftsfelder quasi aus dieser Organisationsform heraus entwickeln – eine Entwicklung, die spannend und lukrativ zu werden verspricht.
Meine Damen und Herren, wir sind nun schon ein langes Stück Weg zusammen gegangen, aber Sie sehen, es liegt auch noch ein weiter Weg vor uns – ein interessanter, ein spannender Weg, und wir hoffen, dass Sie uns auch die kommenden Jahre auf diesem Weg begleiten werden.
Bevor wir uns nun wie gewohnt, der Aussprache widmen, muss ich noch einige formale Hinweise zu den Tagesordnungspunkten der Einladung geben:
Beschlussfassung über die Ermächtigung zum Erwerb eigener Aktien:
Die Gesellschaft soll mit der Ermächtigung zum Bezugsrechtsausschluss die Möglichkeit erhalten, eigene Aktien zur Verfügung zu haben, um diese als Gegenleistung beim Erwerb von Unternehmen oder Beteiligungen an Unternehmen anbieten zu können. Diese Form der Gegenleistung wird zunehmend durch die Globalisierung der Wirtschaft im internationalen und nationalen Wettbewerb erforderlich. Mit der vorgeschlagenen Ermächtigung wird der Gesellschaft die notwendige Flexibilität verliehen, eigene Aktien als Akquisitionswährung einsetzen zu können und so auf für sie vorteilhafte Angebote zum Erwerb von Unternehmen oder von Beteiligungen an Unternehmen flexibel reagieren zu können.
Der Bezugsrechtsausschluss soll der Gesellschaft ermöglichen, Aktien z. B. an institutionelle Anleger, Finanzinvestoren oder sonstige Kooperationspartner auszugeben (siehe auf der in der Einladung veröffentlichte Bericht des Vorstands zu Tagesordnungspunkt 6).
Beschlussfassung über die Änderung der Satzung der Gesellschaft in §14, §15 und §16
Mit dem demnächst in Kraft tretenden ARUG sollen noch im Jahr 2009 die Fristenregelungen und Formvorschriften für die Einberufung von Hauptversammlungen umfassend modifiziert werden. Vorsorglich soll deshalb die Satzung der Gesellschaft um Regelungen bereinigt werden, die mit den geplanten Änderungen kollidieren könnten.
Damit, meine Damen und Herren, bin ich am Ende meiner Ausführungen angelangt, ich hoffe, ich konnte Ihnen einen Einblick in die aktuelle Situation und in die künftige Entwicklung unseres Konzerns, Ihres Unternehmens, geben. Wie immer an dieser Stelle lade ich Sie nun dazu ein, uns Ihre Anregungen, Kommentare und Wünsche mitzuteilen – eine mittlerweile gute Tradition im Anschluss an meine Ausführungen. Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder daraus gelernt.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.